Footprint für Städte

Warum sollte mitverfolgt werden, wieviele Ressourcen und ökologisches Kapital von einer Stadt verbraucht werden?

Lokale Regierungen haben Bestand und Erfolg, wenn sie ihre Bürger dabei unterstützen, ein erfülltes Leben zu haben, sowohl heute als auch in Zukunft. Die Verfügbarkeit von ökologischem Kapital, der Fähigkeit der Natur, sich zu erneuern und Ressourcen und wichtige Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, ist nur ein Teil dieser Vision. Jedoch ist solch eine Vision ohne verfügbare ökologische Ressourcen – gesunde Ernährung, Energie für Mobilität und Heizung, Materialien für Papier, Kleidung und Behausung, frische Luft und sauberes Wasser – nicht denkbar. Das derzeitige und zukünftige Wohlbefinden der Menschen hängt daher stark vom Schutz ökologischen Kapitals vor systematischer Übernutzung ab; andernfalls wird die Natur nicht länger dazu fähig sein, die Gesellschaft mit diesen grundlegenden Dienstleistungen zu versorgen.*

Was haben lokale Regierungen davon?

Ecological Footprint Analysen erlauben es Regierungsbehörden, die Nachfrage einer Stadt oder Region nach ökologischem Kapital zu dokumentieren und nachzuverfolgen, und diese Nachfrage mit dem zu vergleichen, was an ökologischem Kapital tatsächlich lokal verfügbar ist. Die Analysen befähigen Regierungen zudem dazu, spezifischere Fragen über die Verteilung dieser Nachfrage innerhalb ihrer Wirtschaft zu beantworten. In anderen Worten: es gibt ihnen Informationen zu ihrem Ressourcen-Metabolismus.

Footprint Analysen legen die ökologische Nachfrage der Bewohner, und die verwendeten Ressourcen bei der Produktion von verarbeitenden Gütern und der Exportindustrie offen. Sie helfen auch dabei, die ökologische Kapazität importierter Waren zu beziffern, von denen eine Region abhängt. Dies kann neues Licht werfen auf die beschränkten Möglichkeiten einer Region oder zukünftige Haftungsfragen im Vergleich zu anderen Regionen der Welt und Chancen zu identifizieren, die Lebensqualität in der Region zu verbessern oder den Status Quo zu erhalten. Footprint Analysen helfen Regierungen in vielfacher Hinsich dabei, Nachhaltigkeitspolitik greifbar und überprüfbar zu machen. Die Analysen verwenden die gleichen Begriffe und eine eng definierte Methodologie, die für Mitarbeiterschulungen genützt werden können und eine gute Möglichkeit bieten, um mit anderen Regierungsbehörden oder der Bevölkerung über Fragen der Nachhaltigkeit zu sprechen.

Footprint Analysen werten bereits existierende Datensets zu Produktion, Handel und ökologischem Handeln durch die Einordnung in einen größeren Kontext auf. Zum Beispiel können die Analysen helfen, Umweltmanagementsysteme neu auszurichten, indem sie einen Rahmen zur Verfügung stellen, in dem die Daten zusammengeführt und organisiert werden können, Ziele festgelegt werden können und Fortschritte nachverfolgt werden können. Die Analysen können auch dazu dienen, Anforderungen der Berichterstattung in Umweltfragen zu erfüllen und strategische Entscheidungen im Hinblick auf regionale Wirtschaftsentwicklung bereichern.

Der Erfolg weltweiter Bemühungen um nachhaltige Wirtschaftsformen wird zu einem großen Teil in den Städten der Welt entschieden werden, in denen urbane Infrastruktur mehr als 70% des Ecological Footprint der Bewohner determinieren. Städte mit einem großen Footprint können diese Nachfrage nach ökologischen Gütern mithilfe von bereits bestehenden Technologien signifikant verkleinern. Viele dieser Reduktionen sparen Kosten ein und machen Städte lebenswerter. Da urbane Infrastruktur eine lange Laufzeit hat und Ressourcenbedürfnisse für Jahrzehnte determiniert werden, entscheiden Infrastrukturmaßnahmen über die Zukunft einer Stadt. Welche Städte bauen sich selbst zukünfitge Infrastrukturfallen? Welche Städte entwickeln Möglichkeiten für ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Lebensstile?

Ohne ein Buchhaltungssystem über die regional verfügbaren Ressourcen können Regierungsbehörden schnell das Ausmaß dieser Möglichkeiten und Bedrohungen unterschätzen oder übersehen. Der Ecological Footprint, ein umfassendes, wissenschaftlich fundiertes Buchhaltungssystem der natürlichen Ressourcen, das den Verbrauch der Menschen an ökologischen Ressourcen mit der Regenerationsfähigkeit der Natur vergleicht, hilft, diesen blinden Fleck langsam auszulöschen.

 

*Der Text dieser Seite wurde von Mitarbeitern des Global Footprint Network geschrieben und viele Teile daraus wurden seither publiziert. Zitation: Wackernagel et al. 2006. The Ecological Footprint of cities and regions; Comparing resource availability with resource demand. Environment and Urbanization 18(1): 103–112.